Sexuelle Gewalt durch Jugendliche

Wenn die Täter Jugendliche sind


Viele Mädchen sind von sexueller Gewalt
durch Gleichaltrige betroffen.

Die Personen, die so etwas tun, können
Mitschüler oder Mitschülerinnen, Leute aus dem Freundeskreis
oder aus der Familie (Geschwister, Cousins, junge Onkel etc.)
oder Jugendliche sein, die die betroffenen Mädchen
nur flüchtig oder kurze Zeit kennen.

Selten sind es völlig unbekannte Personen.

Sehr selten sind es andere Mädchen,
meistens Jungen oder männliche Jugendliche.


Manchmal finden die Mädchen die Jugendlichen anfangs ganz nett, reden mit ihnen oder gehen auf ihre Einladungen ein.
Es kann auch sein, dass das Mädchen und der Junge sich mögen
und schon sehr schöne Momente miteinander erlebt haben. Irgendwann kippt die Situation
und die Jungen sind gar nicht mehr so nett,
sondern zwingen oder überreden die Mädchen zu Dingen,
die sie nicht wollen.

Du hast zu jedem Zeitpunkt das Recht,
NEIN zu sagen und auszusteigen,
  • ganz egal, wie nett der Junge vorher war
  • oder wie sehr du vielleicht mit ihm geflirtet hast.
  • Das gilt auch, wenn du ihn sehr magst.
Manche Mädchen wehren sich in so einer Situation
laut und deutlich, andere nur ganz leise.

Die Jugendlichen, die "übergriffig" sind,

wie das genannt wird,
setzen sich über ihre Gegenwehr hinweg.
Es ist niemals deine Schuld,
wenn du sexuelle Gewalt erfährst.


Was zählt denn zu sexueller Gewalt?


Sexuelle Übergriffe und Gewalt fangen bei blöden Sprüchen

über das Aussehen und nervigem Anbaggern,
"Spannen" in der Umkleidekabine und unerwünschten,
scheinbar zufälligen Berührungen an.

Sie gehen über gezielte unerwünschte Berührungen

an oder mit Scheide, Penis, Po und Brust weiter
bis hin zu sexueller Nötigung, Vergewaltigungen und Stalking.

Die letzten drei genannten Handlungen sind Straftaten

und werden beim Thema Anzeigen näher erklärt.
  • Bei der Bewertung,
    ob eine Handlung noch okay ist oder nicht,
    ist es wichtig, dass du
    deinen Gefühlen und deiner Intuition traust.
  • Wenn du ein komisches oder blödes Gefühl hast,

    dann handelt es sich oft bereits um einen sexuellen Übergriff
    und du hast jederzeit das Recht,
    die Situation oder den Kontakt zu beenden.
  • Du kannst dir dafür auch Hilfe holen, 

    z.B. bei einer Freundin, deinen Eltern
    oder auch bei Schattenriss.
Es liegen uns keine genauen Zahlen zur Häufigkeit
sexueller Übergriffe unter Jugendlichen vor.
Nach wissenschaftlichen Schätzungen sind ein Drittel
der Sexual(straf)täter Jugendliche unter 18 Jahren.

Viele Sexualstraftaten werden nicht angezeigt.

Die betroffenen Mädchen schämen sich oft oder fühlen sich (mit)schuldig.
Deshalb schweigen sie und holen sich keine Unterstützung.


Folgen, die solche Erlebnisse für Mädchen haben können



Manche dieser Übergriffe sind für das eine Mädchen
vielleicht nicht so belastend, für ein anderes aber schon.
Wenn Mädchen sexuelle Gewalt erleben,
leiden sie fast immer  darunter,
auch wenn sie alles am liebsten ganz schnell vergessen
und normal weiterleben möchten.

Viele betroffene Mädchen ziehen sich zurück
und werden misstrauisch.

Ganz häufig haben sie erst mal keine Lust mehr auf Sex
oder andere Dinge, die sie an diese unangenehme Erfahrung erinnern.

Manche Mädchen machen auch das Gegenteil und
gehen ganz viele sexuelle Beziehungen ein.

Viele Mädchen bekommen Probleme in der Schule oder in ihrer Ausbildung, weil sie sich nicht mehr gut konzentrieren können.

Manchmal genügt es,
nach einem sexuellen Übergriff mit einer Freundin oder einer erwachsenen Vertrauensperson darüber zu reden
und den Kontakt zu dem übergriffigen Jugendlichen abzubrechen. Aber oft ist das nicht genug.



Wenn du 
  • häufig an das Geschehene denken musst,
  • vielleicht oft davon träumst
    und nicht gut (ein)schlafen kannst,
  • ängstlicher geworden bist und
  • weniger mit anderen Leuten zusammen sein willst,
  • seitdem in der Schule schlechter geworden bist,
    weil du dich nicht mehr so gut konzentrieren kannst,
  • vielleicht manchmal ganz plötzlich sehr traurig
    oder wütend wirst, 
  • bemerkst, dass dich z.B. plötzliche Geräusche
    oft erschrecken oder
  • dir die Zukunft nur noch belastend
    und grau vorstellen kannst,
dann ist es gut,
dir (mehr) Hilfe) zu holen.
Manchmal
können die Mädchen den Kontakt
zu den übergriffigen Jugendlichen nicht abbrechen,
weil diese immer wieder zu den Mädchen kommen
oder zu ihrem Bekanntenkreis gehören. I

In diesen Fällen dauern die sexuelle Gewalt

und die Angst vor neuen Übergriffen an.
  • Dann ist es echt wichtig,
    das nicht weiter auszuhalten,
    sondern sich Hilfe zu holen.


Wer und was kann helfen?


Wenn ein Mädchen sexuelle Gewalt durch andere Jugendliche

erfahren hat, dann ist es gut, wenn sie sich jemandem anvertraut.

Das können zunächst eine Freundin oder die Eltern sein,

vielleicht die Vertrauenslehrerin oder der Schulsozialarbeiter.
  • Du kannst dich auch an Schattenriss wenden
    und mit einer von uns am Telefon sprechen.
  • Wenn du willst,

    verabreden wir einen Termin für ein persönliches Gespräch.
  • Auch die Person, der du dich anvertraut hast,
    kann für dich hier anrufen.

  • Du kannst alleine zu uns kommen
    oder gemeinsam mit einer Vertrauensperson,
    z.B. mit deiner Freundin,
    deiner Lehrerin oder deiner Mutter.

Wir haben eine Schweigepflicht,
d.h. wir geben keine Informationen an Eltern
oder andere Personen weiter,
ohne dies mit dir abzusprechen.

Du musst deinen Namen nicht sagen,
wenn du das nicht möchtest.

  • Du erreichst uns telefonisch unter:
    0421 - 61 71 88
  • Du erreichst uns:
    Montag und Freitag:
    von 11 bis 13 Uhr
    Mittwoch: von 14 bis 16 Uhr
  • Zu anderen Zeiten kannst du auf unseren
    Anrufbeantworter  sprechen.

    Wenn du möchtest
    kannst du deine Telefonnummer angeben.
    Wir rufen dich auch auf deinem Handy zurück.

    Wir melden uns innerhalb von ein bis zwei Tagen bei dir.

    Rufe bitte noch mal an, wenn wir dich nach 3 Tagen
    noch nicht erreichen konnten.


Wenn die Freundin sexuelle Gewalt erlebt oder erlebt hat


Mädchen, die sexuelle Gewalt erlebt haben, vertrauen sich oft

als erstes einer Freundin (oder einem Freund) an.

Manchmal möchten sie auch, dass die Freundin nichts weiter erzählt.

Das kann sehr belastend für die Freundin sein, vor allem,
wenn die sexuelle Gewalt noch andauert oder das Mädchen
unter den Folgen sehr leidet.
Es kann auch sein, dass die Freundin nach außen hin viel mehr
als das betroffene Mädchen selbst leidet.
Das ist nicht ungewöhnlich, weil die betroffenen Mädchen ihre Gefühle oft zu ihrem eigenen Schutz unterdrücken.

Eine Freundin oder ein Freund kann viel tun:
Sie oder er kann zuhören, Mut machen, Hilfe holen.

Eins kann sie oder er nicht:
allein die Gewalt beenden oder die Folgen für das betroffene Mädchen lindern.
Dazu braucht auch sie oder er Hilfe.

Wenn deine Freundin oder deine Partnerin sexuelle Gewalt
erlebt oder erlebt hat, dann
  • solltet ihr gemeinsam überlegen,
    wo sie oder auch ihr zusammen Hilfe bekommen könnt,
    z.B. bei Schattenriss
  • musst du ggf. dein Versprechen auflösen,
    nichts weiter zu erzählen  -
    es ist wichtiger, Hilfe zu holen!
  • kannst du ihr von deinen eigenen Gefühlen erzählen,
    die die Erlebnisse deiner Freundin bei dir auslösen, möglicherweise wird sie dann offener für weitere Hilfe
  • solltest du auch auf deine Grenzen achten
    und dir Unterstützung holen
    (z.B. bei einer anderen Freundin oder deinen Eltern).
    Dies solltest du aber vorher deiner Freundin sagen.
  • kannst du deiner Freundin zuhören,
    wenn sie von ihren Erfahrungen erzählen will.
    Du solltest sie aber nicht dazu auffordern
    und sie vielleicht auch unterbrechen,
    wenn sie immer wieder davon reden will.
    Macht lieber etwas zusammen,
    das euch beiden Spaß macht.
Wenn deine Partnerin sexuelle Gewalt erlebt (hat),
dann ist das wahrscheinlich eine große Belastungsprobe
für die Beziehung.
Oft verändert sich das Mädchen für eine Zeit lang ziemlich:
Sie geht nicht mehr gerne raus,
mag keine anderen Leute mehr treffen,
hat erst mal keine Lust mehr auf Sex oder Berührungen,
ist vielleicht manchmal aggressiv und unberechenbar.

Es kann dann viel Streit und blöde Situationen geben.

Du kannst dich bei uns beraten lassen,
wie du deine Partnerin unterstützen kannst.
Wenn sie will, könnt ihr auch zu zweit zu einem Gespräch
zu uns kommen: Schattenriss


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Manche Formen von sexueller Gewalt - Vergewaltigung,

sexuelle Nötigung, Stalking - sind Straftatbestände,
d.h. die TäterInnen können angezeigt werden.

Diese Begriffe werden hier kurz erklärt.


  • Als Vergewaltigung zählt
    das Eindringen in den Körper des Opfers
    mit einem Körperteil oder einem Gegenstand
    unter Anwendung oder Androhung von Gewalt.
  • Zu sexueller Nötigung zählen
    alle weiteren sexuellen Handlungen,
    z.B. direkte Berührungen an und mit den Geschlechtsteilen
    oder das Anschauen von pornografischen Filmen,
    zu denen das Opfer gezwungen wird,
    manchmal auch mit einer oder mehreren weiteren Personen.
  • Von Stalking wird gesprochen,
    wenn eine Person eine andere hartnäckig verfolgt
    und ihr gegen ihren Willen immer wieder zu nahe kommt.
    Zu Stalking zählen: Anrufe, SMS, E-Mails zu allen
    Tages- und Nachtzeiten, "Liebeserklärungen",
    Geschenke, Auflauern und Verfolgen,
    Ausfragen des Bekanntenkreises der betroffenen Person, Beleidigungen, Falschbeschuldigungen etc.

  • Manchmal möchte das betroffene Mädchen
    einen Täter oder eine Täterin sofort anzeigen.
Oft wollen dies auch die Personen,
denen sich das Mädchen anvertraut hat.
In vielen Fällen ist eine Anzeige auch sinnvoll.


  • Bei der Frage "anzeigen oder nicht"
    ist es wichtig, zu wissen:
Eine Sexualstraftat muss nicht sofort angezeigt werden,
denn Sexualstraftaten (Vergewaltigung, sexuelle Nötigung)
verjähren erst nach 20 Jahren.


  • Nach einer akuten Tat ist es ratsam,
    eine gynäkologische (frauenärztliche) Praxis
    oder die Notaufnahme eines Krankenhauses aufzusuchen
    (auch um eine ungewollte Schwangerschaft zu vermeiden).

Dort kann die Frauenärztin bzw. der Arzt
die Spurensicherung vornehmen.
Dadurch erhöht sich die Chance,
auch zu einem späteren Zeitpunkt durch eine Anzeige
eine Verurteilung des/r TäterIn zu erreichen.
Alle Ärzte und Ärztinnen unterliegen übrigens der Schweigepflicht,
d.h. sie dürfen eine Tat an einer Patientin nicht anzeigen.


  • Eine einmal gemachte Anzeige von Vergewaltigung, sexueller Nötigung oder Stalking kann nicht wieder zurückgezogen werden.
    Das ist im Gesetz so festgelegt.
    So kann die Person, die die Anzeige erstattet hat,
    nicht gezwungen werden (z.B. vom Täter),
    die Anzeige wieder zurückzuziehen.

  • Um die Frage zu klären,
    ob eine Anzeige für das betroffene Mädchen sinnvoll ist
    und ob sie Aussicht auf Erfolg hat,
    kann über Schattenriss eine Rechtsberatung
    in Anspruch genommen werden.

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